Von Industrie 4.0 zum Geschäftsmodell 4.0

Die Spielregeln haben sich verändert

Digitale Geschäftsmodelle verändern den Markt. Unternehmen, die es verpassen, ihr Geschäftsmodell den neuen technologischen Möglichkeiten anzupassen, verlieren Kunden und früher oder später ihr gesamtes bisheriges Business.

Tatsache ist: in den nächsten wenigen Jahren werden wir eine spürbare Veränderung vieler Unternehmen und vieler traditioneller Geschäftsmodelle erleben. Veränderte Erwartungen der Kunden und die Frage nach tatsächlichem Nutzen für Kunden und Lieferanten sorgen Hand in Hand mit teils dramatischem technologischem Wandel dafür, dass sich Unternehmen mit einer Reihe von Fragen beschäftigen müssen: die nach bislang unbekannten künftigen Ereignissen, die nach weiteren Umbrüchen, deren Auswirkung sie nicht einmal erahnen können, die nach neuen Wettbewerber, die sie noch nicht identifiziert haben, und die nach weiteren Produkten und Services, die bereits jetzt ganze Industrien transformieren und das weiterhin tun werden.

Die Digitalisierung der Industrie eröffnet Unternehmen neue Chancen – und neue Risiken: Chance, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und aus den Erfahrungen des bisherigen Business’ mit alten und neuen Kunden neue Umsätze zu generieren. Risiken, den ‚Anschluss’ zu bisherigen Kunden zu verlieren, weil sich neue Wettbewerber mit attraktiveren Geschäftsmodellen und mit größerem Nutzen für ihre Kunden auf das Spielfeld begeben.

5 Fakten zur Zukunft 4.0

Fakt zu Internet of Things: Intel zählt in seinem „A Guide to the Internet of Things: How Billions of Online Objects are Making the Web Wiser“ [1] satte 200 Milliarden smart devices – von sehr kleinen Chips bis sehr großen Maschinen – die im Jahr 2020 drahtlos miteinander und mit uns kommunizieren werden. Das macht, um die Zahl ein wenig anschaulicher zu machen, etwa 26 dieser smarten devices – die sich jedoch kaum zuhause, im Smartphone oder in der Kleidung befinden werden, sondern hauptsächlich in Produktionsstätten und Pflegeeinrichtungen – für jeden Erdbewohner. Die smart devices werden die notwendigen Daten liefern, um Lagerbestände in Echtzeit zu bestimmen, Maschinen und Anlagen steuern, Kosten sparen und sogar Leben retten. Intel bezieht sich auf das McKinsey Global Institute und die New York Times und beziffert die globale Wertschöpfung der Internet-of-Things-Technologie im Jahr 2025 auf mehr als 6 Billionen USD – das entspricht 6.000 Milliarden USD. Davon wird die Gesundheitsindustrie etwa 2,5 Billionen USD und die Fertigungsindustrie etwa 2,3 Billionen ausmachen.

Fakt zu Roboter: Der kommerzielle und private Einsatz von Robotern wird von 2016 bis 2030 um etwa 2.000% steigen. Business Insider prognostiziert einen globalen Markt von etwa 190 Milliarden USD [2], was entgegen mehr oder minder ernstgemeinter Einwürfe nicht bedeutet, dass Roboter die Welt übernehmen. Es bedeutet vielmehr, dass wir von einem riesigen Markt sprechen, der das Potential hat, uns Verbrauchern das Leben einfacher und sicherer zu machen: bezahlbare Roboter werden putzen, uns das Pendeln zum Arbeitsplatz angenehmer machen und uns im Alter unterstützen und pflegen. Auf dem Weg dorthin wird es mindestens drei ernsthafte Hürden geben. Erstens neigen wir dazu, allzu menschenähnliche Roboter bestenfalls seltsam zu finden, zweitens wird die verfügbare Technologie auch weiterhin sehr teuer sein, und drittens sind Fragen rund um Privatsphäre und Schutz geistigen Eigentums nicht geklärt. Ob und wann wir diese Hürden überwinden, wird die Entwicklung der nächsten Jahre zeigen. Spannende Initiativen wie der 3D-Druck einer Fußgängerbrücke aus Stahl in Amsterdam zeigen, wie mit Roboter-Unterstützung künftig effizient, preiswert und sicher konstruiert werden kann [3].

Fakt zu Schnittstellen: TechCrunch betont im Beitrag „The Battle is for the Customer Interface“ [4] die Wichtigkeit der Schnittstelle zwischen Angebot und Nachfrage. Unternehmen wie Uber, Arbnb, twitter und Facebook bilden eine hauchdünne Schnittstelle zwischen Lieferanten und ihren Prozessen einerseits – also, dort wo die Kosten zuhause sind – und einer unüberschaubaren Zahl an Kunden andererseits – dort, wo die Erlöse zuhause sind. Innovative Unternehmen wie Tesla oder Nest hingegen trachten danach, die ständige Kontrolle über alle „Schichten“ zu haben: Forschung, Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb. Das bietet alle denkbaren Möglichkeiten, die Erlöse im Unternehmen zu halten, aber es ist deutlich schwieriger, das Angebot schnell und nachhaltig zu skalieren. Zeitungsverlage beispielsweise müssen schreiben, Fakten überprüfen, Anlagen und Papier einkaufen, bedrucken und ihre Produkte liefern. Plattformen wie Facebook hingegen bieten „nur“ die Plattformen für ihre Nutzer, die eigene Inhalte schaffen, und twitter ringt erfolgreich um unsere Aufmerksamkeit und verdient mit dem link zur Seite eins der Zeitungen Geld.

Fakt zu Generationen: während viele Arbeitgeber nach wie vor oft ratlos auf die Generation Y (die 2015 die Babyboomer zahlenmäßig einholte) und ihre tatsächlichen und überlieferten Forderungen reagieren, bereiten sich Unternehmen auf die Generation Z, deren Mitglieder langsam in den Arbeitsmarkt eintreten, vor [5]. Diese von 1995 bis 2010 geborene Generation, der böse Zungen die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches – die Designfirma Altitude nennt das in ihrem Bericht [6] einen „8-Sekunden-Filter“ – nachsagen, hat bereits jetzt die Fähigkeit entwickelt, enorme Mengen an Informationen zu filtern und zu sortieren. Sie sucht zwar nach Akzeptanz in sozialen Medien (dort wo sich ihre Altersgenossen eben aufhalten und wo Kommunikation in Echtzeit passiert), hat jedoch ein feines Gespür dafür, ob und wann sich Aufmerksamkeit lohnt, und ist dann durchaus fokussiert und verbindlich [7]. Diese Generation wird sich im professionellen Umfeld zwischen zwei Stühlen befinden: zum einen brauchen sie soziale Medien, um Bestätigung zu finden und ihre persönliche Marke aufzubauen, zum anderen wollen sie sich differenzieren und nicht ausschließlich durch die Wahrnehmung im Netz definiert wissen. Marken und Unternehmen, die dieses Spannungsfeld verstehen, werden als Arbeitgeber und Lieferanten attraktiv.

Fakt zu Finanzierungen: Crowdfunding als Alternative oder Ergänzung zur klassischen Form der Geldbeschaffung wird bis 2030 um 200.000% steigen, meint das SAP Center for Business Insight [8]. Gerade für kleine Unternehmen mit großen Ideen sind die schier endlosen Genehmigungsprozesse etablierter Banken und Venture-Kapital-Geber verbunden mit undurchschaubaren Regularien nicht die allerbeste Alternative, um sich zu finanzieren. Plattformen wie Kickstarter und Indiegogo machen es möglich, Geld von vielen Investoren zu beschaffen und dabei den gesamten Prozess selbst steuern zu können – mit dem erwünschten Nebeneffekt, enorme Reichweite in der Kommunikation der eigenen Idee und des Angebotes zu schaffen. Dabei ist die „Geschichte“ hinter dem zu finanzierenden Angebot ein zentrales Element: Crowdfunding-Plattformen sind für gutes Storytelling wie geschaffen. Gute Verkäufer sind in der Lage, beinahe jedes bereits existierende Produkt oder Service zu verkaufen. Tausende Einheiten eines noch nicht real existierenden Angebotes zu verkaufen gelingt jedoch nur denen, die unsere Aufmerksamkeit und unser Interesse gewinnen, die uns inspirieren und uns auf eine spannende Reise einladen.

 

Dr. Reinhard Ematinger

 

 

[1] www.intel.com/content/dam/www/public/us/en/images/iot/guide-to-iot-infographic.png

[2] http://intelligence.businessinsider.com/consumer-and-office-robot-market-2014-5

[3] www.ingenieur.de/Themen/3D-Druck/Stahlbruecke-in-Amsterdam-Robotern-Ort-ausgedruckt

[4] www.techcrunch.com/2015/03/03/in-the-age-of-disintermediation-the-battle-is-all-for-the-customer-interface

[5] http://de.slideshare.net/briansolis/brand-innovators-2015-trends

[6] http://www.fastcoexist.com/3045317/what-is-generation-z-and-what-does-it-want

[7] https://www.entrepreneur.com/article/247115

[8] www.digitalistmag.com/smb/2015/02/09/the-small-business-guide-to-alternative-financing-02180329?source=social-glo-slideshare-readmore

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