Lachen macht schlau

Aber Humor und Lachen ist nicht das Gleiche?

Humor ist definitiv mehr als nur Lachen. Humor ist eine innere Haltung, eine Lebenshaltung.
Das ist die Gabe, die unangenehmen Dinge des Alltags aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.
Humor hilft, nicht immer alles und vor allem auch sich selbst bierernst zu nehmen, sondern gelassen zu reagieren.
Humor hat eine kognitive Dimension, also die Fähigkeit, auf witzige, überraschende, humorvolle Gedanken zu kommen, solche Gedanken zu erkennen und auf sie zu reagieren. Und das kann man lernen.
Den eigenen Humor fördert auch, wenn man sich mit humorvollen Menschen umgibt.
Humor heißt aber nicht, ständig laut zu lachen, denn Menschen lachen auch aus Unsicherheit.
Humor entsteht aber aus einer inneren Sicherheit. Ich versuche immer wieder ganz bewusst, unschöne Alltagssituationen
von der humorvollen Seite aus zu sehen, und ich blödle gerne herum.

Ist die positive Wirkung von Humor und Lachen eigentlich wissenschaftlich belegt?

Ja, in den USA hat es zum Beispiel verschiedene Studien zum Einsatz von Klinikclowns gegeben.
Es hat sich gezeigt, dass Patienten mit chronischen Schmerzen oder chronischen Erkrankungen das Lachen
geholfen hat, besser durchzuhalten und sich immer wieder neu zumotivieren.
Auch in Indien hat es Studien über die positiven Einflüsse des Lachens in der Schmerztherapie gegeben.
Dort ist daraus dann das Lachyoga entstanden, sprich: das Lachen ohne Grund.
Wenn sich bei mir gerade mal partout gar kein Anlass zum Lachen finden lässt, dann mache auch ich Lachyoga.

Gibt es eine physiologische Erklärung, warum Lachen positiv ist?

Da muss man etwas ausholen, denn das hat mit unserem Gehirn zu tun, das im Laufe der Evolution verschiedene Entwicklungsstufen durchgemacht hat. Anders als zum Beispiel Krokodile, die keine Feinde haben und sich nicht bedroht fühlen müssen, musste zum Beispiel das Hirn des Menschen so weiterentwickelt werden, dass es uns bei einem Angriff oder wenn wir uns bedroht fühlen, die richtige Reaktion ermöglicht. So entwickelte sich beim Menschen das sogenannte Limbische System. Dieses sorgt etwa im Angriffsfall dafür, dass wir mit ausreichend Adrenalin versorgt werden, um genügend Kraft
für einen Angriff oder eben die Flucht zu haben.

Und was hat das mit unseren Schmerzen zu tun?

Wenn wir zum Beispiel Angst vor unseren chronischen Schmerzen haben, dann signalisiert unser Limbisches  System,
dass wir kämpfen müssen. Das führt aber dazu, dass wir unseren Körper regelrecht mit Adrenalin überschwemmen,
was sich wiederum negativ auf unser Immunsystem auswirkt. 
Das Lachen wirkt in solchen Situationen dann wie ein Ventil. Es entspannt uns und zeigt dem Limbischen System an,
dass wir gar nicht angegriffen werden.
Humor ist eine hoch entwickelte Fähigkeit. Der Sinn für Humor hilft den Menschen,
ihr tägliches Leben zu  meistern, schlechte Laune und extremen Stress zu vermeiden. 

 

 

 

 

 

Lässt sich das auch auf andere Bereiche des Lebens übertragen?

Ja, viele kennen den Moment des Blackouts zum Beispiel vor Prüfungen. 
Die Angst vor dem Versagen in der Prüfung versetzt mich im übertragenen Sinne in den Angriffsmodus.
Wenn aber unser Limbisches System auf Angriff oder Flucht schaltet, sagt unser lösungsorientiertes Großhirn:
Da mische ich mich im Moment lieber nicht ein. Ich habe deshalb keinen Zugriff mehr aufs Denken.
Man kann also sagen: Angst macht dumm. Wenn wir uns angegriffen fühlen, ist unser erster Impuls Angriff, Flucht oder Starre. Deshalb brauchen wir ein entspanntes Limbisches System, dann habe ich auch wieder Zugriff auf das Großhirn.
Und Humor ist die Toplösung, um das Limbische System zu entspannen.
Oder überspitzt: Angst macht dumm und Humor g’scheit.
Das gilt für Prüfungssituationen genauso wie im beruflichen Kontext. Barack Obama, anders als sein Nachfolger
Donald Trump, hat diese Gabe. Er kann über sich selbst schmunzeln und so sein Limbisches System entspannen, 
was ihm gerade in Krisen den Zugriff auf sein Großhirn erlaubt.
Das fand ich beruhigend.

Wird Humor immer wichtiger?

Ja, denn unser Alltag ist nicht zuletzt durch die Digitalisierung beschleunigt und komplexer geworden.
Unser Limbisches System nimmt heute Dinge als Bedrohung wahr, die gar keine tatsächliche Bedrohung sind.
Aber trotzdem reagieren wir darauf, wie unsere Steinzeitvorfahren. Schauen Sie sich die zum Teil aggressiven Kommentare auf einen Facebook-Post an. Ohne Humor, der mich einen solchen Post gelassener bewerten lässt und der dafür sorgt,
dass ich mein Hirn einschalte, halte ich dies vielleicht für eine Bedrohung und schreibe entsprechend aggressiv zurück.
Und durch die Anonymität im Netz sind diese Aggressionen heute folgenloser.
Deshalb ist es mir so wichtig, dass wir dieses sonderbare Spektakel, das wir Leben nennen, mit Humor über die Bühne bringen.

Das Gespräch führte Angela Horsten

Zurück

Sehen.Hören.Schreiben

Büro 9.00 bis 13.00 Uhr
Telefon: +49 9141 74848
mailto:

Zur Bereitstellung unserer Dienste verwenden wir Cookies. Weiterlesen …