stay hungry (2)

Blitze, Barbecue und Neugier

Stay hungry, das nächste BBQ kommt bestimmt. Und das schon seit gut eineinhalb Millionen Jahren als unsere Vorfahren das gepflegte Barbecue erfanden. Um zu ermessen, wie grundlegend die Neugier für das BBQ war und vor allem für das, was wir heute Menschheit nennen, reicht ein Blick in die Frühzeit, als uns noch nicht allzu viel vom Tier unterschied.

Durch das BBQ war Fleisch für den Menschen nicht nur besser verwertbar, sondern vor allem haltbarer. Das ließ man sich im frühen Pleistozän nicht zweimal sagen und speiste fortan gerne üppig und fleischreich. Die nächsten paar Jahrhundertausende war Homo erectus mit Jagen, Grillen und Gehirn wachsen lassen beschäftigt. Irgendwo musste das viele Eiweiß in der neuen Kost schließlich hin. Und das menschliche Hirn war der beste Platz dafür. Durch die deutlich eiweißreichere Kost bekam der frühe Mensch ein ordentliches Upgrade in seiner Hardware. Aus dem Homo erectus wurde – auch wegen der guten Antilopensteaks – ein Homo sapiens. Den Betrieb dieser Hochleistungs-Rechenzentren in unserem Kopf konnten wir uns dauerhaft nur leisten, indem wir weiter fleißig Fleisch nachschoben, denn das Homo-Sapiens-Gehirn verbraucht eine ganze Menge Energie bis die Menschheit mal bei Renaissance, Aufklärung und Demokratie angelangt war.

Das Grillen ist so betrachtet eine der edelsten menschlichen Fähigkeiten. Die Venus von Willendorf, Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle, Shakespeares Romeo und Julia, Beethovens Fünfte oder Imagine von John Lennon, alles nicht denkbar, ohne das erste Barbecue.

Aber, was hatte das Grillen nun nochmal gleich mit der Neugier zu tun? Naja, wer dürfte wohl derjenige gewesen sein, der das erste Mal einen Klumpen Fleisch in das Feuer eines Blitzschlags gehalten hat? Sicher nicht der Urzeitmensch, der beim ersten Donnerschlag sicher in seiner Höhle blieb und murmelte „das haben wir schon immer so gemacht“, sondern sein experimentierfreudiger Kollege aus dem Nachbarloch. Die Neugier ist der Beginn des modernen Menschen und sie begleitet uns seither und spornt zu immer neuen Höchstleistungen an.

Entwicklung ist die Folge von Neugier nicht umgekehrt. Der Urmensch, der den ersten Faustkeil aus dem Stein trieb, war nicht nur handwerklich geschickt, er war vor allem neugierig. Faustkeile dominierten unglaubliche 1,5 Millionen Jahren lang den Werkzeugmarkt. Alles entsteht aus der epistemischen Neugier, also dem Wissen-Wollen und Dranbleiben – bis wir in die Schule kommen. Aber dazu mehr in der nächsten Folge.

Margit Hertlein

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